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Klettern am Cinque Torri

Viele von euch werden sicher schon einmal von den Cinque Torri gehört haben. Aber einige denken bei dem Namen sicher immer noch an alpine Routen in brüchigem Fels. Dem ist allerdings schon lange nicht mehr so. Erstens ist dieser Felshaufen für Dolomitenverhältnisse überhaupt sehr fest, und zweitens hat sich das Gebiet seit Anfang der 90er ziemlich zügig zu einem ausgesprochenen Sportklettergebiet gemausert, wobei es immer noch einige alpine Klassiker gibt.

Aber erst einmal die fünf wichtigsten Gründe, zu den Fünf Türmen zu fahren:
1. Im Sommer perfekte Temperaturen
2. Dolomiten ohne Bruch
3. Gute Absicherung
4. Tolle Routen
5. Klettern in einer perfekten Landschaft!



Am besten geeignet ist das Gebiet für Euch, wenn ihr Routen in den Schwierigkeitsgraden 6a bis7b sucht. Allerdings bieten sich auch darunter und darüber einige Möglichkeiten.

Bei den leichten Routen sind vor allem die Klassiker zu nennen:
1. Via delle Guide UIAA 4, ca. 100 m, Torre Grande Westseite
2. Via Myriam UIAA 5+, ca. 150 m, 5 Seillängen, Torre Grande Südseite
3. Torre Barancio, NW-VerschneidungUIAA 4, 90 m, 3 Seillängen

Am besten ist es, einfach durch das tolle Felslabyrinth zu gehen und sich inspirieren zu lassen. Begeistert euch für eine Linie und fragt irgendwen, der bestimmt mit einem Führer herum steht oder sich auskennt, wie schwer denn diese Route ist. Und dann los!



Aber ein paar Tips will ich doch loswerden. Sehr schöne Wandklettereien gibt es an der Torre Grande Nordwestseite (Abendsonne). Das sind alles Mehrseillängenrouten durch die ganze Wand, jedoch wurden vor ein paar Jahren die ersten Seillängen auf 30 m verlängert und mit neuen und vielen Haken versehen. Diese Baseclimbs bewegen sich von 5+ bis 6b+. Wer darüber hinaus weiterklettern will, sollte sich auf alte Bohrhaken im 5 m Abstand und hier und da etwas loses Gerümpel einstellen! Alpines Sportklettern, wie es früher halt so üblich war! Aber es lohnt sich. Passt aber immer auf, denn unten stehen oft einige Kletterer, die ihr mit Steinschlag erlegen könntet!

Im Rücken dieser imposanten Wand befindet sich seitlich an einem Block die Route Fulminartour, die mit 8a+ eine der drei schwersten an den Cinque Torri ist. Hierbei sind ca. 18 ziemlich zähe Züge gefordert. Rasten ist nicht, und zum Schluss muß man auf die obere Kante des Blockes dynamisieren! Viel Spaß, denn die kleinen Leisten ziehen verdammt an der Hornhaut der ersten Fingerkuppen! Am selben Block unterhalb gibt es dafür einige sehr leichte Plattenklettereien.

An der Südseite des Torre Grande gibt es neben der klassischen Myriam eine Vielzahl von Sportkletterrouten, die zum Großteil sehr schön sind. Besonders erwähnen möchte ich Tomi Tom 7a und deren Rechtsvariante 7b. Hierbei möchte ich kurz auf die, meiner Meinung nach, sehr inhomogene Bewertung eingehen: Routen im Bereich 6a bis 6b+ kamen mir realistisch bis hart bewertet vor. Die Routen im Bereich 6c bis 7b erschienen mir hart bis sehr hart bewertet. 7c bis 8a dafür wieder eher human, die Fulminartour mit 8a+ wieder sicher nicht zu weich! Also, wie gesagt: inhomogen! Ich komme bei den weiteren Tips noch darauf zurück.

   Jene 7b-Dach-Variante von Tomi Tom zum Beispiel ist verdammt hart und ist auch nach dem weiten Foothook unterstützten, Blockierer noch nicht vorbei. Einen tollen, athletischen Einstiegsboulder hat die Route Pazzia Rock 7c+ etwas rechts der Tomi Tom. Die Route besteht aus drei Passagen, die nach oben hin immer leichter werden. Sowohl der Flo als auch ich waren allerdings der Meinung, es hier mit einer 7c zu tun zu haben, was uns Gebietskenner auch bestätigten. Durch fortschreitende Veränderungen des Geländeprofils sei diese Route, die zuerst sogar mit 8a angegeben war, erheblich leichter geworden. Aber schön ist sie immer noch! Geht ihr um den Torre Grande weiter herum, so findet ihr auf deren Ostseite einige Mehrseillängenrouten der härteren Gangart. Diese Routen sind durchgehend gut gesichert und die Seillängen bewegen sich bis 7b! Ein kleiner Nachteil dieser Routen ist, dass bei entsprechender Wetterlage, das meist von Westen nahende Ungemach erst bemerkt wird, wenn man schon nass wird.

Unterhalb der Torre Grande Ostwand liegt ein sehr großer Block. Auf dessen stark überhängender Ostseite, an der es meist ziemlich zieht, findet ihr einige Extremrouten: Ganz links befindet sich eine 8a+, die gleich mit einem Mono beginnt, aber interessanter sind die beiden Routen rechts davon. Telefono Azzurro und Cliffhanger! Zuerst muß ich mal die Namen erklären: Wie kann man eine Route Blaues Telefon nennen??? Telefono Azzurro ist das italienischer Kindersorgentelefon! Außerdem wurden einige Außenaufnahmen für Sly Stallones (klettertechnisch hochinteressantem) Film Cliffhanger an den Cinque Torri gedreht. Und bekanntlich waren Wolfgang Güllich und Ron Kauk die Stuntmen.



Nun zu den Routen. Telefono Azzurro ist eine sehr schöne, steile Loch- und Leistenkletterei. Früher war sie mit 8a und dann mit 7c bewertet. Die Wahrheit könnte auch dazwischen liegen. Cliffhanger ist für 8a eher weich, dafür muß man ein gerüttelt Maß SM-Neigung mitbringen, um die scharfen Griffe zumachen zu können. Geht man von hier nun an die Südseite des Torre Barancio, so findet man recht unten im Winkel drei ganz schön hart bewertete 40 m Routen mit alten Bohrhaken, die aber sonst sehr schön sind. Weiter oben links gehen einige leichtere Routen von einem Absatz weg, die alle ca. 20 m lang und empfehlenswert sind. Zum Schluss noch ein Tip: Nördlich des Torre Barancio befindet sich ganz unten ein kleiner Turm, auf dessen Nordseite sich zwei Routen befinden. Die eine geht mitten durch die überhängende ca. 20 m hohe Wand. Sie bietet herrliche Lochkletterei, ist aber mit 6c+ ganz schön hart bewertet. Die überhängende Kante rechts daneben ist auch sehr lohnend, aber die angegebene Bewertung habe ich mittlerweile verdrängt, da sie mir fern jeglicher Realität vorkommt. Aber urteilt selber. Vielleicht war ich ja von Blindheit geschlagen oder einfach nur schwachmatisch!
(dieser turm (trephor) ist im juni 2004 umgefallen!!!)

Jetzt will ich noch das Geheimnis lüften, warum dieser Turmhaufen ausgerechnet Cinque Torri heißt: Von Cortina hat man früher beim hinaufschauen eben nur fünf Türme gesehen! Also: Wenn in Deutschland mal wieder Tropenklima ausbricht - ab ins Gebirge! Denn im Sommer kann es so kalt sein, dass ihr mit der Sonne wandert. Habt ihr warme Tage geht ihr eben mit dem Schatten. Zu heiß wird es hier oben eigentlich nie.

Zufahrt: Von Cortina DAmpezzo Richtung Passo Falzarego fahren. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine ist, die kleine, steile Straße zum Rifugio Cinque Torri hinauf zu fahren (geht nicht für Wohnmobile und Busse mit Aufbau!). Die andere ist, etwas weiter zu fahren und mit dem Sessellift hinauf zu fahren (sehr teuer). Die Zustiegszeit beträgt so oder so 10- 15 Minuten!

Cinque Torri Kurzinfo:
Fels: Dolomit
Routenlänge: bis 150 m
Meereshöhe: 2000 m
Absicherung: Sehr gut bis teilweise selbst abzusichernde Klassiker

Viel Spaß
Rainer (2003)


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